VLG Eisenbach

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30.06.2019 Oliver Schmidt ist der erste VLG – Ironman

Das Datum 30.06.2019 wird sich vermutlich in Oliver Schmidts Gehirn festsetzen. Ist es doch der Tag seines bisher größten sportlichen Erfolges, aber auch der Tag, seiner bisher härtesten Qualen.

Beim Iron Man in Frankfurt mit den Disziplinen 3.800 Meter Schwimmen, 185 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen bei annähernd 40 Grad Hitze im Glutofen von Frankfurt, verlangte allen Athleten die am Start waren alles ab. Von den ursprünglich gemeldeten 3.000 Startern waren nur 2.700 an den Start gegangen. Nur 2.063 davon erreichten dann das Ziel am Frankfurter Römer.

So auch Oliver Schmidt, der für die Schwimmstrecke im Langener Waldsee nur 1:16:28 Stunden benötigte und dann auf dem Rad in Richtung Frankfurt und Wetterau in den frühen Morgenstunden noch den kühlenden Fahrtwind genießen durfte. Stündlich wurde es allerdings einige Grad wärmer und als Oliver nach 185 Kilometern sein Rad in der Wechselzone am Mainufer abstellte, waren 5:45:39 Stunden vergangen. Beachtlich, dass Oliver einen Stundenschnitt von 32,2 Kilometer aufweisen konnte. Das ist ein Wert, den ein normaler Radfahrer höchstens einmal auf einer Länge von 5 Kilometer bringen kann. Der abschließende Marathonlauf verlangte selbst den Profis alles ab. Die in Front liegende US-Amerikanerin musste nur einen Kilometer vor dem Ziel der großen Hitze Tribut zollen. Nachdem sie am Mainufer zusammen gebrochen war, wurde sie von den Ärzten und Sanitätern vorsorglich aus dem Rennen genommen. All dieses war bei Oliver nicht der Fall. Bei ihm hat an diesem Tag auch einfach „ alles im Kopf gestimmt „. Seinen Lauf beendete er nach 5:19:52 Stunden, sodass am Ende eine Gesamtzeit von 12:32:18 Stunden zu Buche schlug. In der Altersklasse 30 bedeutete das Platz 166, in der Männer-Gesamtwertung Platz 929 von 1.822 und in der Frauen- und Männerwertung Platz 1.010 von 2.063.

Herzlichen Glückwunsch!

B.F.



Oliver Schmidt läuft gerade im gelben Trikot mit blauer Mütze ins Ziel


http://www.finisherpix.com/gallery/photos/de/EUR/2933/1469



Aus Sicht des Athleten
Ironman Frankfurt 2019

30.06.2019 der Wecker klingelt um 3:00 Uhr morgens. Gut das ich erst um 23 Uhr einschlafen konnte, schlechter Schlaf vor einem großen Wettkampf ist ein gutes Zeichen.
Um 5:45 Uhr erreichte ich endlich die Wechselzone sehr angespannt, weil die Zeit sehr knapp bemessen war (Der Bus zum Start war voll und am Langener Waldsee gab es einen Stau ), da die Wechselzone schon 30 Minuten später geschlossen wurde. Schnell die Reifen aufpumpen und die Radflaschen ans Rad anbringen. Daniel Schnabel hatte sogar noch mehr Stress am Morgen gehabt, er war nur knapp 15 Minuten vor Wechselzonenschluss angekommen. Seine Startnummer war 1469 und meine 1467, so dass der Radparkplatz von uns direkt nebeneinander war. Wir sortierten uns beim Rolling Start in dem gleichen Kanal ein, mit einer erwarteten Zeit zwischen 1:10 bis 1:20 Stunde. Somit starteten wir gleichzeitig in den längsten und härtesten Tag meines Lebens. Nach 750 Meter im Schwimmen macht der Kurs eine 180 Grad Wende, jetzt schwammen wir leider genau in Richtung aufgehender Sonne, die einen komplett blendete. Nun war es an der Zeit sich an den voraus schwimmenden Athleten zu orientieren und hofften, dass diese geradeaus schwimmen. Nach 32:11 Minuten waren die ersten 1,5km mit einer Pace von 2:09min/100m geschafft. Die restliche Schwimmstrecke wurde mit einer Pace von 1:56min/100m absolviert, genau nach Plan. Beim Schwimmen musste man höllisch aufpassen, da manche Athleten von Kraul in den Brust Stiel wechselten um sich zu erholen oder zu orientieren. So ein Brustbeinschlag kann ganz schnell mal im Gesicht landen. Einen leichten Tritt habe ich auf meine Schwimmbrille bekommen, aber zum Glück nur ganz leicht. Das Schwimmen lief genau nach Plan und mit der Schwimmzeit bin ich auch sehr zufrieden 1:16:28 Stunden. Nach dem Schwimmen musste ich einen kleinen Stopp auf dem Dixi einlegen.
Das Radfahren lief bis zum ersten Kopfsteinpflaster-Abschnitt, „The Hell,“ gut. Nach 2 Sekunden auf dem holprigen Untergrund haben sich beide Wasserflaschen verabschiedet. Die Vorsichtmaßnahme, die beiden Flaschenhalter mit Kabelbinder strammer zu machen, so dass die Flaschen besser halten, hat leider nichts gebracht. Die Hauptverpflegungsflasche mit den Gels blieb aber am Rad. Kurz später kam eine Rad Service Station und ich habe kurz überlegt die beiden Flaschenhalter hinter meinem Sattel ins Rahmendreieck bauen zu lassen. Hab mich aber dagegen entschieden, da es 12 Verpflegungsstellen auf den 185 Radkilometer gab. So habe ich mich die erste Runde jedes Mal tierisch aufgeregt wenn mal wieder eine Flasche weggeflogen ist. Die erste Rad Runde lief überraschend gut. Nach 2,5 Stunden wurde es so heiß, dass der Fahrtwind für die Kühlung nicht mehr ausreichte und man Wasser über den ganzen Körper schütten musste. Die Stimmung an der Radstrecke war super. Jede Menge Anwohner an der Radstrecke haben ihren Gartenschlauch benutzt um die Fahrer abzukühlen, die Gelegenheit hab ich auch immer mit Freude angenommen. Auf der 2. Rad - Runde wurde es so heiß, dass alle Zuschauer nur noch im Schatten standen. Manche Mitstreiter fahren leider sehr rücksichtlos, zum Überholen scheren diese einfach aus ohne sich umzusehen. Hier muss man auf jeden Fall bei den Überholmanövern sehr aufpassen. Im Anflug auf die Stadt, nach der ersten Rad-Runde, meinte ein Spanier mit zwei weiteren Spaniern einen Kaffeekranz abzuhalten, die haben sich seelenruhig unterhalten. So ein Überholmanöver muss nach 25 Sekunden abgeschlossen sein und nebeneinander darf man nicht fahren. Ein anderer Spanier, der von hinten kam, hat dann die richtigen Worte für die drei gefunden. Im weiteren Verlauf der Strecke taten sich immer weitere Abgründe auf. Kurz vor mir fährt jemand im stehen ohne zu treten, sah auf jeden Fall komisch aus und aus dem Schritt hat es getropft. Was macht dieser Mensch da, ja richtig, der hat sich gerade den Weg zum Klo gespart. Kein Glück für ihn, das im gleichen Moment ein Wettkampfrichter vorbeigefahren ist und somit erhielt er höchstwahrscheinlich die Rote Karte, was die Disqualifikation zu Folge hat. Kilometer 150, das Rennen hat begonnen oder der Anfang vom Ende? Die Füße fingen an weh zu tun und wurden immer schmerzhafter. Mögliche Ursache, das viele Wasser in den Schuhen. Die Temperatur war jetzt wirklich unerträglich. 165Km erste Krämpfe in den Oberschenkeln. Diese sollten bis zum Ende der Radstrecke nicht mehr verschwinden genau wie die Schmerzen in den Füßen. Die Leistung brach ein. Ein kurzer Gedanke ans Laufen, mit den Schmerzen in den Füßen kann ich unmöglich weiter laufen. Ende der Rad – Strapaze nach 5:45:39 Stunden mit eine Schnitt von 32,20 km/h. Erster Kontakt mit dem Boden, das hat sich auch schon mal besser angefühlt. Ab Schritt 1 direkt Krampfansätze in beiden Oberschenkeln. Rad abgestellt und den Wechselbeutel geschnappt. Schuhe anzogen und gedacht ein paar Meter muss ich hier halt schon laufen, bevor ich aufgebe.
Die ersten Meter waren direkt auf Kopfsteinpflaster eine äußerst holprige Angelegenheit. Die erste Verpflegung kam zum Glück recht zügig. Es war mein Plan immer nur von Verpflegungsstelle zu Verpflegungsstelle zu denken. Bis Kilometer 10 lief dies sehr gut, unter dem Umstand, dass ich bei jedem Schritt gedacht habe gleich bekomme ich einen Krampf. Bei einer kleinen Pause auf dem Dixi, dabei wäre ich fast umgefallen, da war eine Hitze in dem Häuschen. Weiter mit Laufen, jetzt wurde immer eine kleine Rast an der Verpflegung gemacht, also nur noch gewandert und danach wieder weiter gelaufen. Kilometer 15 die Krämpfe haben sich verschoben. Nicht mehr die Oberschenkel Vorderseite machte Probleme jetzt die Waden. Die Füße waren wieder soweit in Ordnung. Jedoch das Wasser in den Schuhen war grenzwertig. Die Schuhe waren so nass, vom Wasser übern Kopf gießen, als hätte man sie grade aus der Waschmaschine geholt. Daniel Schnabel hatte mich überholt. Die Waden wurden immer schlimmer ab Halbmarathon wurden dann immer wieder Gehpausen eingelegt .um die Waden zu entlasten. Das Blöde am Gehen ist wenig Wind und andere Muskeln werden belastet die dann auch wieder Krämpfe verursachten, lief echt super. Nach einiger Zeit hab ich Daniel wieder eingeholt. Er musste zwischenzeitlich auch immer wieder mal gehen, aufgrund von Magenproblemen. Wir sind dann ein ganzes Stück zusammen gewandert und haben uns ausgetauscht. Kurz vor einen Sanitätszelt hatte ich einen von meinen vielen Wadenkrämpfen, der Sanitäter fragte was los sei, Wadenkrampf, ich fragte noch was ich machen kann, er meinte, mach halt langsam. Da waren es noch 10 km mit einem Geh Tempo von 12min/km, dann nur noch 80 Minuten. Ein wenig schneller hab ich es dann doch noch ins Ziel geschafft. Die Stimmung auf der Laufstrecke überragend ohne die vielen Leute an der Strecke, die VLG Mitglieder und die Support Crew von Daniel hätte ich das nicht geschafft. Vielen Dank dafür.

Oliver Schmidt

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